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Daily Exercise

„DAILY EXERCISE“ und „BOND GIRLS“  – Neue Fotoarbeiten von Steffi Schöne
Heiderose Langer, September 2013

Fotoarbeiten von Steffi Schöne, geb. 1979 in Leipzig, waren erstmals 2011 im Rahmen einer viel beachteten Einzelausstellung in der edith wahlandt galerie zu sehen. Steffi Schöne studierte von 2006–2010 bei Erwin Wurm an der Universität für Angewandte Kunst in Wien Skulptur und Multimedia, wurde mit internationalen Förderstipendien ausgezeichnet und lehrt derzeit an der Staatlichen Kunstakademie Tbilisi in Georgien.

An den Rändern des Mediums Fotografie, dort, wo das Abbildhafte in das Gegenstandslose übergeht und Freiraum schafft für eigene Raumvorstellungen, biografische Erinnerungen und subjektive Wahrnehmungen, experimentiert Steffi Schöne. Dabei setzt sie die Fotografie als Bildgenerator ein, der in der Nähe von Malerei und Zeichnung agiert und sich bildnerischer Mittel und Gestaltungselemente wie Rhythmus und Komposition bedient. Alltägliche Gegenstände, Strukturen und Gesten dienen ihr als wandlungsfähiges Motiv und Arbeitsmaterial. So zeigen die beiden Fotoserien „DAILY EXERCISE“, 2012 und „BOND GIRLS“, 2013 einen ungewohnten Blick auf bekannte Objekte. Ein Schlagsportgerät aus der Serie „BOND GIRLS“ entfaltet ein überraschend kontemplatives Abstraktionspotential, indem es grafische Formen und geometrische Muster ausbildet und alle Spuren der alltäglichen Verfügbarkeit, des Gebrauchs und der Gewöhnlichkeit unsichtbar sind. Stattdessen scheinen in diesem Alltagsobjekt eine idealisierende Schönheit, etwas Gelassenes, Geheimnisvolles und Unangetastetes zu liegen.

Bunte Lollis turnen in der Serie „DAILY EXERCISE“ auf zwei Regalbrettern. Sie stehen, liegen, balancieren und bringen in ihrer sportlichen Beweglichkeit ein heiteres Element in die zeichnerisch wirkende Fotoarbeit. Es ist vor allem die besondere Aufnahmeperspektive, welche den unerwarteten Aspekten der Dinge Raum zur Wirkung gibt und zum Beispiel zwei Regalbretter in eine „Bühne für Süßes am Stil“ (Steffi Schöne), zu verwandeln vermag. „Man könnte mir einiges vorwerfen“, schreibt die Künstlerin „vorsätzliche Täuschung, Verdrehung der Tatsachen, Verleumdung, Lug und Trug. Tatsächlich bauen alle meine fotografischen Arbeiten auf diesen, normalerweise wenig geschätzten, Eigenschaften auf. Es ist eine Flucht nach vorn. Statt der Komplexität realer Situationen vor der Linse fotografisch hinterher zu hinken, mache ich diese Schwäche des Mediums zu meinem Vorteil. Dankbar blendet Fotografie das aus, was meine fragilen Welten stört.“

Falle oder Unfall?
Frank Ahlgrimm, Januar 2016

Bekanntlich ergibt die Kombination aus Erhabenem und Banalem eine Lücke, die mich interessiert, verunsichert und in bestem Falle sensibilisiert. Die Lücke nimmt man wahr, auch wenn man sie nicht sehen kann. Sie könnte für allerhand Szenarien stehen. Um so länger ich diese Bilder kenne, umso größer und unheimlicher wird die Lücke. Immer schneller wird die scheinbar friedliche Inszenierung zu einem bösen Spiel, von dem man nicht lassen kann. In grauen Tagen (wie dieses Spiel beginnen könnte) wünsche ich mir meinen Helden Homer Simpson herbei, der direkt sabbernd und wie immer gierig und zu schnell den Lolli verspeist und, nichts ahnend der Gefahr, sein Tagwerk fortsetzt. Sehr schön und ein akzeptabler Abgang aus dieser Situation. Lisa hingegen hätte sicher die scheinbar beruhigende Harmlosigkeit der Szene wahrgenommen. Zu lecker und zu professionell ist die Süßigkeit verlassen worden und in Szene gesetzt. Zu nahe am Abgrund droht sie gar bei kleinster Erschütterung den Bildrahmen zu verlassen. Jetzt dämmert’s! Ganz klar eine Falle, subtil, sensibel, tödlich. Die rote Seite des Apfels. Die böse Königin aus Grimms Märchen grüßt von Neuem. Lisa triumphiert, aber nur eine Sekunde.
Um die Ecke kommt Nelson „Ha Ha“.